Faszination Auto – es ist fast schon klischeehaft, wenn Männer oder Frauen, ganz egal in welchem Alter diese sein mögen, sich in einem Klub zusammenfinden, um in ihren Supercars durch die Landschaft zu cruisen, PS zu besprechen und köstlich zu dinieren.
Die Idee hinter dem Klub kam den Gründern und Brüdern Morgan und Pierre vor nun etwa drei Jahren und entspringt einer lebenslangen Leidenschaft für motorisierte Pferdestärken. Wobei lebenslang relativiert werden sollte, denn sowohl Morgan (29) als auch Pierre (26) haben den Großteil ihres Lebens noch vor sich. Aufgewachsen sind die beiden Franzosen in Nantes, einer Stadt Nahe der französischen Westküste. Von dort ging es für den Älteren der beiden in den Süden Frankreichs zum Finanzstudium und den Jüngeren in den Norden des Heimatlandes zu einem solchen für den Immobilienmarkt.
Die Studienzeit beider wurde durch ein einjähriges Intermezzo in Süd- und Mittelamerika (Brasilien und Mexiko) unterbrochen, ehe sich beide in Frankreich und Belgien in die Welt der Finanzen und Immobilien stürzten. Diesen Expertisen haben die Gebrüder mittlerweile den Rücken gekehrt: „Wir investieren uns beide zu einhundert Prozent in unser Projekt Drive-Talk Supercar Club.“ Worum es im Klub genau geht, ist dessen Namen relativ einfach zu entnehmen: Drive – Fahren, Talk – Reden, Supercar – Superauto.
Der Klub vereint die Menschen, die ihre Leidenschaft für teure Automobile leben und diese über die eigenen vier Wände hinaus teilen wollen. „Ausgangspunkt ist die Leidenschaft für Autos, doch bei unserem Klub geht es um viel mehr. Wir reden immer von zwei Komponenten: gute Stimmung und Geselligkeit“, komplettiert Morgan die Beschreibung des 2020 gegründeten Vereins. Vereine, in denen Menschen zusammentreffen, um über Autos zu reden und durch die Gegend zu fahren? Klingt erstmal nicht nach Innovation. Morgan versichert: „Wir heben uns von den anderen Klubs ab.“ Diese Aussage zu belegen versucht Morgan anhand von zwei Fakten. Erstens hebe man sich durch die Diversität an Autos und Marken, die in ihrem Verein vertreten wären, ab. „Wir wollten uns nicht nur auf eine Marke beschränken, es gibt so viele schöne und bewundernswerte Autos.“
Das zweite Argument klingt dann schon eher nach Marketing-Offensive. „Wir wollen unseren Mitgliedern Erlebnisse bieten, die man mit Geld nicht kaufen kann.“ Typisch Marketing muss er diese Aussage gleich im nächsten Satz etwas relativieren: „Natürlich kann man die Events, die wir planen, auch alleine organisieren und erleben, aber es ist einfacher und oft sogar besser es in einem Verein, also bei uns, zu tun.“ Wenn Morgan von Events spricht, dann redet er von den Wochenend- oder Tagesfahrten, die er und sein Bruder ihren Mitgliedern anbieten: Diese reichen von Küchenbesuchen und Essen Ein exklusiver Klub mit teuren Autos – das stößt in der Öffentlichkeit auch gut und gerne mal auf etwas Gegenwind. bei Sterneköchen über Visiten schöner Flecken der Region bis hin zum Buchen eines Kleinflughafens mit kurzen Abstechern in die Lüfte.
„Die Leidenschaft für Autos verbindet uns. Darüber hinaus wollen wir gemeinsam neue Leidenschaften kennenlernen und Erlebnisse schaffen.“ Klingt gut? Zugänglich sind die Events allerdings exklusiv für Mitglieder des „Drive-Talk Supercar Club“. Wie man beitreten kann, ist zumindest, wenn man den Worten Morgans glauben kann, relativ einfach. Voreinschreibung, persönliches Treffen und wenn es zwischenmenschlich passt, ist man dabei. „Natürlich verstecken wir auch nicht, dass es ein Klub für Supercar-Besitzer ist. Demnach gibt es schon eine Untergrenze, was das Gefährt anbelangt.“
Nach welchen Kriterien Mitglieder ob ihres Autos gefiltert werden, will Morgan nicht verraten. Der Gründer versichert lediglich immer wieder, dass die Entscheidung nicht alleine auf Wert und Kaufpreis zurückzuführen sei. „Ein Auto muss kein Vermögen gekostet haben, um ein Supercar zu sein.“ Die persönlichen Gespräche seien darüber hinaus das weitaus wichtigere Kriterium. „Unser Klub lebt von der guten Stimmung. Es existiert eine gewisse Homogenität unter den Mitgliedern. Wir teilen alle eine Leidenschaft für Autos, wollen allerdings darüber hinaus auch andere Passionen kennenlernen und teilen.“
Aktuell zählt der Klub 80 Mitglieder, bis Ende 2021 sollen es 100 sein. Gerade beim Thema des Geschlechts zeigt sich Morgan stolz darüber sagen zu können, dass die Mitglieder annähernd gleichzählig männlich und weiblich sind: „Ich würde sagen wir liegen ungefähr bei sechzig Prozent Männern und vierzig Prozent Frauen.“ Die Mitglieder beruflich zu charakterisieren wäre schwer, ein Großteil würde sein Geld jedoch als Unternehmer oder Selbstständiger verdienen, nur ganz wenige wären Arbeitnehmer. Ein exklusiver Klub mit teuren Autos – das stößt in der Öffentlichkeit auch gut und gerne mal auf etwas Gegenwind. „Wenn wir Kritik erfahren, dann meistens in Bezug auf das Autofahren an sich“, erklärt Morgan. Wegen des wachsenden Umweltbewusstseins auch durchaus nachvollziehbar, dass eine Gruppierung von Menschen, die lediglich zur eigenen Bespaßung hohe Kilometer-Zahlen abspulen, auf Kontra treffen. „Wir versuchen diesen Leuten klarzumachen, dass Autofahren, genau wie viele andere Dinge auch, eine Passion, eine Leidenschaft ist“, versucht Morgan den Umgang mit Kritikern zu erklären. „Leben und leben lassen. So ungefähr handhaben wir diese Problematik. Wir mischen uns ja auch nicht irgendwo anders ein.“ Wenngleich diese Erklärung vielen Menschen genügen dürfte, sollte man sich als Gründer und Betreiber eines Autovereins durchaus mit der Problematik der Umwelt auseinandersetzen. Ein Verschwinden dieser Diskussionen ist für die kommenden Jahre nämlich nicht zu abzusehen.
Für Morgan und Pierre stehen allerdings andere Dinge weiter oben auf der Agenda. Aktuell hat man mit Luxemburg, Belgien und Paris drei Standpunkte. In naher Zukunft soll diese Zahl erweitert werden. Mit dem Süden Frankreichs, sowie Teilen der Schweiz hätte man für die Expansion bereits passende Standpunkte ausmachen können. Doch ganz gleich an welchem Standort, das Ziel der beiden mit ihrem „Drive-Talk Supercar Club“ ist klar: ihre Leidenschaft leben und gleichzeitig ihr Leben verdienen.
















